Gegenwärtig dürften in Deutschland circa 40 000 Stellen in der IT wegen Fachkräftemangels nicht zu besetzen sein.

 

Im deutschsprachigen Raum droht langfristig ein struktureller Mangel an IT-Fachleuten.

Insgesamt geht BITKOM, der Branchenverband der IT-Branche von 1,4 Millionen IuK-Fachkräften (IuK = Informations- und Kommunikationstechnik) in Deutschland aus. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der IuK-Branche selbst dürfte nach BITKOM-Schätzung derzeit bei 865 000 liegen. Dort dominiert wiederum der Teilsektor „Software und IT-Services“ mit rund 600 000 Stellen, wo seit 2007 rund 80 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Nach der BITKOM-Herbstumfrage gab es Ende 2011 rund 38 000 offene Stellen für IT-Fachkräfte in der gesamten deutschen Wirtschaft. Das entspricht einem Zuwachs von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese offenen Stellen verteilen sich auf

a) 22 000 bei Anwendern von IuK-Lösungen,

b) 16 000 in der IuK-Branche selbst.

Die Branche liegt mit 42 Prozent an der Spitze mit der Kennzahl „Anteil der schwer besetzbaren Stellen an allen sofort besetzbaren Stellen“ in Deutschland.

84 Prozent der ITK-Unternehmen mit offenen Stellen suchen Softwarespezialisten, die neue Anwendungssysteme konzipieren und programmieren. Es folgen Marketing und Vertrieb von IuK-Produkten und -Lösungen mit 40 Prozent und IT-Beratung. Bei den Anwendern sind überwiegend Experten gefragt, die für den reibungslosen Betrieb der internen IT-Systeme sorgen.

Nach Einschätzung der vom BITKOM befragten Unternehmen verschärft sich der Fachkräftemangel. 58 Prozent beklagen einen solchen explizit. Das ist ein höherer Wert als in den konjunkturell sehr guten Jahren 2007/2008. Der Verband schließt daraus, dass es sich um ein strukturelles, nicht um ein konjunkturelles Problem handle.

In der Schweiz ist der Fachkräftemangel noch akuter als in Deutschland. Der Verband ICT-Berufsbildung Schweiz schätzt einen Rekrutierungsbedarf von 72 500 Personen bis 2020. Die Zahl der „ICT-Beschäftigten“ ist dort in den letzten 20 Jahren mehr als dreimal so schnell gewachsen wie der Durchschnitt aller Beschäftigten.

Quelle: Prof. Dr. Peter Mertens, Zum Ungleichgewicht am IT-Arbeitsmarkt, in: Wirtschaftsinformatik und Management 6/2012, S.32 ff.